Ein Hoch auf den (richtigen) Kaugummi!

Als die Amerikaner nach dem zweiten Weltkrieg den Kaugummi über den großen Teich nach Deutschland brachten, dachten sich zunächst viele: was ist das für ein Zeug? Man soll darauf kauen ohne es zu schlucken? Wofür soll das gut sein? Viele amerikanische Erfindungen stießen und stoßen häufig auf deutsche Unverständnis, bis sie sich als ganz normal und unverzichtbar darstellen.

Heutzutage fragt keiner mehr, ob es eine Daseinsberechtigung für den Kaugummi gibt. Im letzten Jahr 2015 gaben ca. 17 Millionen Deutsche an mindestens ein mal die Woche Kaugummi zu kauen. Allein davon ca. fünf Millionen die täglich dazu greifen. Es gibt ihn in vielen verschiedenen Farben und Formen. Kinder lieben den „Hubba Bubba“ und versuchen sich damit gegenseitig in der Größe der Kaugummiblasen zu überbieten. Manche Erwachsene brauchen die ganz „harten“, die mit ihren ätherischen Ölen die Nase befreien sollen.

Leider nicht allen gemein ist die positive Wirkung auf unsere Mundgesundheit und damit auch auf unsere Zähne. Ich schreibe diesen Artikel, weil ich es nicht begreife warum noch immer Kaugummi im Handel ist, der normalen Haushaltzucker beinhaltet. Bevor ich auf die positive Wirkung von zuckerfreien Kaugummi zu sprechen komme, muss ich zunächst diese negative Art des Kaugummis verurteilen. Zuckerhaltiger Kaugummi versorgt über einen längeren Zeitraum als normale Süßigkeiten den Mund und damit die Kariesbakterien mit Zucker. Dadurch ist das Risiko eines Lochs im Zahn deutlich höher als bei zuckerfreien Kaugummi. Zuckerhaltige Kaugummis sollten vollständig vom Markt genommen werden. Der klassische „Wrigleys Spearmint“ hat ausgedient (leider auch der Hubba Bubba, ruft das Kind in mir).

So schlecht der zuckerhaltige Kaugummi für die Zähne ist, so überaus positiv ist der Zuckerfreie! Warum ist das so? Zunächst einmal natürlich weil er keinen Zucker hat. Karies Bakterien bekommen nichts zu „essen“ und können sich somit keine Wohnungen in unsere Zähne bauen. Es gibt auch spezielle Zahnpflegekaugummis, die sogar einen speziellen Zuckerausstauschstoff, nämlich Xylit beinhalten. Xylit ist Birkenzucker, hat 40% weniger Kalorien als Haushaltszucker bei beinahe gleicher Süsskraft des Selbigen. Löst sich Xylit im Mund, entzieht es der Umgebung Wärme und ein kühlender Effekt tritt ein. Dieser kühlender Effekt, löst einen stärkeren Speichelfluss aus, der überaus wichtig für unsere Zähne ist. Die vermehrte Spucke spült Kariesbakterien, Kariessäuren und Zahnbelag weg. Mehr Speichel bedeutet auch mehr natürliche Mineralstoffe für die Zähne! Somit entstehen weit weniger Löcher an den Zähnen!

Xylit ist generell ein Feind der Kariesbakterien. In vielen Studien (Turku/Finnland) konnte nachgewiesen werden, dass Xylit Karies um sage und schreibe 85% reduziert. Auch kann Xylit bereits bestehende, kleinere Kariesstellen „einbremsen“. Auch können sich Kariesbakterien weniger gut an der Zahnoberfläche anheften. Im Jahr 2000 konnte auch nachgewiesen werden, dass  Kinder (bis zwei Jahre) von jungen Müttern, die Xylithaltige Kaugummis täglich kauten, weit weniger Kariesbakterien im Mund hatten als andere Gleichaltrige. Xylit ist also die Geheimwaffe gegen Karies. Daher ist es auch bei Kindern zu empfehlen, die weniger gut Zähne putzen. In diesen Fällen wird geraten, den Kindern gleich nach dem Konsum von Lebensmitteln einen Xylit haltigen Kaugummi zu verabreichen.

Neben diesem cleveren Xylit hat Kaugummi aber noch den Effekt, dass er gut klebt. Somit wird Zahnbelag von der Zahnoberfläche gerissen, es kann keine Karies entstehen. Daher auch der zahnärztliche Rat: Nach dem Essen einen Zahnpflegekaugummi mit Xylit kauen.

Die Erfahrung im Umgang mit unseren Patienten zeigt: Patienten, die häufig zum (richtigen) Kaugummi greifen, haben eindeutig  bessere Zähne als die, die nie Kaugummi kauen. Auch deshalb wird Kaugummi Kauen heutzutage nicht mehr in Frage gestellt!

Wenn Sie noch Fragen zu diesem oder andere Themen haben, zögern sie nicht und fragen Sie die Zahnärzte der Gemeinschaftspraxis Dr. Tanja Trapper & Dr. Rüdiger Aplas.

Bleiben Sie gesund!

Ihr Dr. Rüdiger Aplas

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